4.12 Elementarmethode "E/R-Modellierung" (ER)


1 Identifikation/Definition der Methode

/ Wiborny, 91 / Kapitel 3.3


2 Kurzcharakteristik der Methode


Ziel und Zweck

Bei der Entity-Relationship-Modellierung ("E/R-Modellierung" (ER)) wird im Rahmen einer vorgegebenen Aufgabenstellung ein Datenmodell erstellt, das sich im allgemeinen allein an den fachlichen Gegebenheiten und an der Sicht der Anwender, nicht aber an der IT-Realisierung orientiert. Ziel der E/R-Modellierung ist es, diejenigen Objekte, die durch Daten in einem informationsverarbeitenden System repräsentiert werden, sowie ihre Beziehungen untereinander zu beschreiben.


Darstellungsmittel

Darstellungsmittel der E/R-Modellierung ist das E/R-Diagramm. In der Praxis werden hierzu verschiedene Notationen verwendet (siehe hierzu / Wiborny, 91 / S. 56-112). Die Festlegung auf eine bestimmte Notation erfolgt im Rahmen der Operationalisierung. Ein E/R-Diagramm muß mindestens folgende Eigenschaften aufweisen:


Funktioneller Ablauf

Die Erstellung eines E/R-Modells erfolgt in einer Top-down-Vorgehensweise, bei der in jedem Entwurfsschritt detailliertere, verfeinerte Strukturen entstehen.


Empfehlung

Die folgenden Schritte einer Top-down Vorgehensweise sind für eine Vielzahl von E/R-Modellierungen bei Informationssystemen anwendbar. Zu Details siehe / Münzenberger, 89 / S. 32-75.

  1. Analyse und Beschreibung der relevanten Entitätstypen
  2. Analyse und Beschreibung von identifizierenden Attributen
  3. Analyse und Beschreibung der relevanten Beziehungstypen
  4. Überprüfung des vorliegenden groben Datenmodells mit den betroffenen Fachbereichen und erster Abgleich mit grobem Funktionsmodell
  5. Bereinigung des Datenmodells (Bereinigung von Inkonsistenzen und Redundanzen der Beziehungstypen, evtl. Auflösung von N:M-Beziehungen)
  6. Analyse, Beschreibung und Zuordnung von Attributen zu Entitäten
  7. Analyse und Beschreibung von Integritätsbedingungen
  8. Überprüfung des detaillierten Datenmodells, Abgleich mit detailliertem Funktionsmodell

Weiterführende Beschreibungen zum funktionellen Ablauf finden sich in der unter 6 genannten literatur.


3 Grenzen des Methodeneinsatzes

E/R-Modellierung erfordert beim Einsatz in Anwendungsfällen mit mehr als zwanzig Entitäten i. a. ein Werkzeug zur Erfassung der fachlichen Festlegungen des E/R-Modells. Nur damit ist eine aufwands- und zeitgerechteDokumentation von Festlegungen, Ergänzungen, Verfeinerungen und Änderungen des E/R-Modells möglich.


4 Detaillierung der Methodenzuordnung


4.1 ER in Aktivität SE  1.1 "Ist-Aufnahme/-Analyse durchführen"

Im Rahmen der Ist-Aufnahme/-Analyse bei Informationssystemen ist die E/R-Modellierung zur fachlichen nutzerorientierten Seite in einer Detaillierung und Vollständigkeit durchzuführen, die der Detaillierung und Vollständigkeit der angestrebten mehr funktionsorientierten Ist-Aufnahme/-Analyse entspricht. Mindestens ist aber bei Informationssystemen ein E/R-Modell mit Entitätstypen, Beziehungstypen und Schlüsselattributen zu erstellen.

Die Methode deckt damit im Teilprodukt "Ist-Aufnahme und Ist-Analyse" des Produktes "Anwenderforderungen" mindestens die Erstellung eines minimalen E/R-Modells der zu analysierenden Datenstruktur ab.


4.2 ER in Aktivität SE  1.5 "System fachlich strukturieren"

Bezüglich der datenorientierten fachlichen Anforderungen ist bei Informationssystemen ein vollständiges E/R-Modell aus fachlicher Sicht mit allen Entitätstypen, Beziehungstypen, Attributen und Integritätsbedingungen sowie einem dazugehörigen Mengengerüst anzustreben.

Die Methode deckt im Teilprodukt "Beschreibung der Funktionalität" des Produktes "Anwenderforderungen" die Erstellung der E/R-Teilmodelle bezüglich der von den Funktionen zu verarbeitenden Daten ab.


4.3 ER in Aktivität SE  2.4 "Anwenderforderungen zuordnen"

Relevante E/R-(Teil-) Modelle sind den Segmenten und/oder SW-Einheiten zuzuordnen. Hierbei können Modifikationen der E/R-Modelle notwendig werden.

Die Methode deckt im Teilprodukt "Anforderungszuordnung" des Produktes "Systemarchitektur" eventuell notwendige Modifikationen der E/R-Modelle der Datenstrukturen bezüglich der Segmente und/oder SW-Einheiten ab.


4.4 ER in Aktivität SE  3.3 "Anforderungen an die Funktionalität definieren"

Die bereits aus fachlicher Sicht definierten datenorientierten Anforderungen sind bei Informationssystemen aus technischer Sicht zu präzisieren und zu detaillieren.

Die Methode deckt im Teilprodukt "Gesamtfunktion des Elements" die Erstellung der E/R-Teilmodelle einschließlich der Integritätsbedingungen im Zusammenwirken mit der Methode ELH vollständig ab.


5 Schnittstellen


5.1 Schnittstelle ER - DFM

Das Datenflußdiagramm ist in wechselseitigem Abgleich mit der E/R-Modellierung zu erstellen (Zuordnung von E/R-Teilmodellen zu den Elementen des Datenflußdiagramms).

Hinweis:
Bei umfangreichen Modellen (ER und DFM ) ist die Zuordnung nur mit Werkzeugunterstützung sinnvoll durchführbar.


5.2 Schnittstelle ER - DNAV

Data Navigation Modelling setzt E/R-Modelle voraus. Datennavigationsdiagramme enstehen durch Überlagerung der E/R-Diagramme mit quali- und quantifizierten Zugriffspfaden.

Empfehlung:
Es wird empfohlen, die E/R-Modelle vor Einsatz von DNAV zu normalisieren.


5.3 Schnittstelle ER - ELH

Die Methode ELH setzt E/R-Modelle voraus und analysiert den Lebenslauf der darin enthaltenen Entitäten.


5.4 Schnittstelle ER - FKTD

Die Funktionshierarchie ist in Wechselwirkung mit der E/R-Modellierung zu erstellen (Zuordnung von E/R-Teilmodellen zu den Funktionen der Funktionshierarchie).


5.5 Schnittstelle ER - LOGM

Das vollständige E/R-Modell bildet den Ausgangspunkt der logischen DB-Modellierung. Hierbei werden (normalisierte) E/R-Modelle in DBMS-orientierte Datenstrukturen überführt.


5.6 Schnittstelle ER - NORM

Im Rahmen der E/R-Modellierung wird die Normalisierung eingesetzt, um ein mit Attributen versehenes E/R-Modell in eine normalisierte Form zu überführen.


6 Weiterführende Literatur

/ Batini, 92 /,
/ Martin, 90 /,
/ Müller-Ettrich, 89 /,
/ Münzenberger, 89 /,
/ Vetter, 90 /,
/ Wiborny, 91 /